Ahmed – Anekdoten aus Äthiopien

Hallo! Mein Name ist Ahmed Hemeada, ich bin gerade frische 22 Jahre alt geworden und derzeit studiere ich auf der WU. Vor nunmehr 4 Monaten hat mich mein Weg nach Äthiopien geführt. Die Möglichkeit und die Idee habe ich damals vom Thomas geboten bekommen, mit dem ich vorher einige Jahre in der Schülerunion, einem ehrenamtlichen Verein für Schülerinnen und Schüler, tätig war.

Die Entscheidung nach Äthiopien zu fliegen habe ich rückblickend viel zu übereilt getroffen. Ich habe mir einfach 3 Monate vor der Reise ein Ticket gekauft und somit war alles besiegelt. Von da an konnte ich mich also nicht wirklich um entscheiden.

Mein Vater stammt aus einem sehr einfachen Dorf in Ägypten. Ich war also durch zahlreiche Familienbesuche in diesem Dorf schon an wenig Strom und einfache Lebensstandards gewohnt. Ich wusste nicht, ob diese vergleichbar mit den Lebensstandards in Äthiopien wären, aber es beruhigte mich vorerst und gab mir das Gefühl vorbereitet zu sein. Einige Tage vor der Reise hat mich dann doch die Nervosität gepackt. Was muss ich alles mitnehmen? Habe ich auch genug von dem und dem dabei? Ist das Gastgeschenk auch wirklich eingepackt? All diese Fragen habe ich mir gefühlte 1.000 Mal gestellt. Schlussendlich war es dann aber soweit. Ich bin mit (hoffentlich) gut gepackten Koffern zum Flughafen aufgebrochen und habe das Flugzeug bestiegen. Ab da begann mein Abenteuer. Als ich in Äthiopien ankam wurde ich auch schon von Thomas und Getahun empfangen. Getahun ist unser Ansprechpartner vor Ort und der Vorsitzende einer großen Hilfsorganisation in Äthiopien. Ab diesem Zeitpunkt ging es Schlag auf Schlag. Wir trafen die anderen und fuhren (öffentlich) aufs Land. Wie ich es von meinen Ägypten Besuchen nicht anders erwartet hatte geschah dies in umgebauten Toyota Bussen die Sitze für 10 Personen hatten, aber durchschnittlich 20 Personen führten. Die Reise war gerade lang genug um von Getahun ein paar Brocken der Ortssprache, Afan Oromo, zu lernen.

 

Auf dem Land lernte ich dann die anderen Personen unserer kleinen Reisegruppe kennen. Matthäus, Lena, Philipp und Thomas kannte ich aus Wien bereits, von Isabella kann ich heute behaupten sie in einem Dorf in Äthiopien kennengelernt zu haben. Kurz darauf lernte ich meine Gastfamilie kennen, bei der ich gemeinsam mit Thomas untergebracht war. Sie waren alle sehr nett zu mir, vor allem mit den Kindern hätte ich den ganzen Tag spielen können. Doch die Arbeit hat gerufen! Ich wollte schließlich dieses schöne Land nicht verlassen ohne meinen Beitrag geleistet zu haben. So arbeiteten wir also Tag ein Tag aus an der Zisterne, Seite an Seite mit den Einwohnern des schönen Dorfes Anno. Es klingt vielleicht komisch, doch die Arbeit hat mir unglaublich Spaß gemacht. Ich weiß nicht wie es euch geht, doch ich habe mich schon die ein oder andere Minute meines Lebens mit Dingen beschäftigt die ich rückblickend als sinnlose Zeitverschwendung empfunden habe. Doch mit Schweiß und Dreck bedeckt, in einem Erdloch in Äthiopien vor mich hin grabend war ich mir sicher meine Stunden sinnvoll zu verbringen.

Da die Zisterne nahe einer Schule gebaut wurde hofften wir natürlich auch auf Unterstützung von den Schülern. Nicht alle von ihnen hatten jedoch geplant ihre Pausen mit graben zu verbringen, wer könnte es ihnen auch übel nehmen. Also machte ich es mir zum Ziel, den kleinen einen Anreiz zu geben. Nach jedem Erdsack den wir erfolgreich aus dem Loch gezogen hatten, gab es also ein High-Five für die Helfer. Unterstichen wurde das ganze durch einen lustigen Kraftschrei. Plötzlich gingen uns vor lauter helfenden Händen die Werkzeuge und Seile aus. Das sollte also nun der endgültige Beweis sein, dass es Spaß machen kann ein Loch zu graben :P.

 

Neben dem Graben blieb uns auch noch Zeit um die Gegend zu erkunden und mit den Leuten zu reden. Mein Fazit: Das Leben im ländlichen Äthiopien hat sich doch sehr von dem im ländlichen Ägypten unterschieden. Die nächste Dusche und die nächste Internetverbindung waren 1 Stunde zu Fuß oder 15 Minuten mit der Pferdekutsche entfernt. Strom konnten wir dort nur in Form von Batterien genießen, was wiederum bedeutet, dass ab Einbruch der Dunkelheit die Taschenlampe dein steter Begleiter war. Auf dem Heimweg wurden wir dann auch durch einen unserer Gasteltern und seinen Speer begleitet um uns vor den Hyänen zu schützen. Gekocht wird im Haus, mit Feuer und viel Rauchentwicklung. Wenn man mal jemanden gesucht hat, konnte einem das Handy nicht helfen. So geschah es also, dass ich Thomas mal 3 Stunden gesucht habe, um dann herauszufinden, dass er mit meiner Gastschwester seine Kleidung am Fluss gewaschen hat.

 

Die Zeit in Äthiopien hat mir in einiger Hinsicht die Augen geöffnet. Wer glaubt, die Äthiopier wären ein trauriges Völklein, der irrt. Wir haben jeden Tag in die Nacht gefeiert. Es wurde getanzt, gesungen und gelacht, letzteres am meisten. Wer also annimmt, dass der Weg zum Glück nur über den Reichtum führt irrt. Außerdem hat mir die Zeit in Äthiopien gezeigt, dass schon kleine Sachen eine große Auswirkung haben können. Nehmen wir an jemand würde einer Familie in Äthiopien Klopapier schenken. Vorerst scheint das Geschenk nicht viel zu bewirken, doch man muss folgendes beachten: Die Äthiopier benutzen momentan statt Klopapier altes Papier, meist aus Schulbüchern. Das Klopapier sorgt also zum einen für bessere Hygiene und dafür, dass die Schulbücher länger leben und weiter benutzt werden. Als Letztes konnte ich mich noch davon überzeugen, wie friedlich in Äthiopien die einzelnen Religionen zusammen leben. Sehr oft war es sogar so, dass in einer Familie 3 Religionen vertreten waren. Die Feste, Regeln und Fastenzeiten der einzelnen Religionen werden berücksichtigt.

Die Tage verstrichen und nach und nach traten wir alle die Heimreise an. Isabella und ich waren die Letzten die noch mit Thomas da waren. Als dann aber auch unsere Zeit gekommen war, haben uns die Äthiopier mit einer kleinen Feier überrascht. Wir haben zwar selbst eine anzetteln wollen. Doch da sie uns mit einem Lagerfeuer und Geschenken überrascht haben, dürften sie diese Feier schon länger geplant haben als wir. Mir wurde der Stab des Aba Gadaa geschenkt. Die Aba Gadaa sind große Anführer im Süden von Äthiopien. Dort ist man der Ansicht, dass gute Anführer eine lange Ausbildung, die 8 Stufen der Führung, absolvieren müssen. Die Aba Gadaa gelten dort als sehr gerechte und gute Anführer. Ich muss wohl kaum erwähnen wie glücklich ich über diese Geschenk war, das mir vor einem riesigen Lagerfeier, umringt von meiner äthiopischen Gastfamilie und meinen neu gewonnen Freunden, von meiner Gastmutter übergeben wurde. Am nächsten Tag traten Isabella und ich die Heimreise an.

 

Ich bin also rückblickend sehr glücklich darüber, mich damals durch den frühen Kauf der Tickets ausgetrickst zu haben. Ein kurzer Moment der Angst vor der Reise hätte mir sonst all diese schönen Erinnerungen, Bekanntschaften und Erlebnissen geraubt.

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